Tiere

Das Wohlbefinden der Tiere steht bei Hagenbeck an erster Stelle. Schon vor über 100 Jahren begründete Carl Hagenbeck mit seinem Konzept einer gitterlosen und artgerechten Tierhaltung in naturnahen Lebensräumen die moderne Zooarchitektur. Schönster Beweis dieser langjährigen und erfolgreichen Arbeit sind Hagenbecks außergewöhnliche Zuchterfolge.
Unser Wissen und die Erfahrungen, die sich aus dem internationalen Austausch tiergärtnerischer Erkenntnisse ergeben, fließen in die Entwicklung des neuen Eismeers ein. Eisbären, Walrosse, Pinguine und viele andere arktische und antarktische Tiere bekommen ein Zuhause, das allen Anforderungen an eine moderne und artgerechte Tierhaltung mehr als gerecht wird und Hagenbeck zugleich ganz neue Zuchtmöglichkeiten eröffnet.
Eisbär (Ursus maritimus)
Die Bären gehören zu den größten und gefährlichsten Landraubtieren der Erde. Ihr Lebensraum sind die nordpolaren Regionen. Dort wandern die Eisbären als Einzelgänger unermüdlich umher. Sie legen zur Nahrungssuche pro Jahr durchschnittlich 15.000 Kilometer zurück. Die langen Winter über leben Eisbären im Packeis. Sie jagen dort vor allem Robben. Im Gegensatz zu den großen Braunbären halten zumindest die männlichen Eisbären keinen Winterschlaf. Trächtige Eisbärenweibchen verbringen die harten Wintermonate in einer Schneehöhle. Dort kommt ihr Nachwuchs zur Welt. Bei der Geburt sind die jungen Eisbärenbabys blind und nackt. Sie haben die Größe eines Hausmeerschweinchens. Etwa zwei Jahre versorgt die Eisbärenmutter ihren Nachwuchs mit fettreicher Muttermilch und kümmert sich intensiv um die Aufzucht. Ausgewachsene Eisbären erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge bis zu 2,50 Meter.
Hagenbeck wird weiterhin am Erhaltungszuchtprogramm für diese von der Ausrottung bedrohte Tierart teilnehmen und möchte mit einer Eisbären-Gruppe (ein Männchen, zwei Weibchen) in der neuen Eismeer-Anlage an die Zuchterfolge früherer Jahre anknüpfen. Erstmalig wird sich die Panorama-Gestaltung an den geografischen Gegebenheiten orientieren: Eisbären werden zusammen mit Walrossen einen Bereich der Anlage bewohnen - getrennt nur durch für die Besucher unsichtbare Gräben.
Walross (Odobenus rosmarus)

Walrosse gehören zu den Robben und werden nach zwei Unterarten differenziert: Atlantisches Walross (Odobenus rosmarus rosmarus) und Pazifisches Walross (Odobenus rosmarus divergens), zu dem auch Antje gehörte. Walrosse leben im Nordpolarmeer.
Sie haben einen sehr engen Schlund und ernähren sich daher von kleinen und weichen Meerestieren, wie zum Beispiel Muscheln, Würmern, Schnecken und Tintenfischen. Sie ertasten ihre Nahrung mit Hilfe der empfindlichen Sinneshaare. Im Meeresboden verborgene Beutetiere legen sie mit den Stoßzähnen und einem kräftig ausgestoßenen Wasserstrahl frei. Die Schalen der Krebse werden zerdrückt und das Innere wird herausgesaugt. Walrosse sind sehr gesellige Tiere. In ihren Heimatgebieten finden sie sich im Wasser und an Land zusammen.
Einen Herzenswunsch wird sich Hagenbeck mit der Zuchtanlage für Walrosse erfüllen. Mit einem bis zu sieben Meter tiefen Wasserbecken - eines der tiefsten Tauchbecken für diese Tiere weltweit - wird eine Wellness-Oase für Walrosse geschaffen, die ihresgleichen sucht. Dort soll nicht nur eine „neue Antje” einziehen, sondern eine ganze Gruppe von Walrossen. Natürlich ist für die Zukunft Nachwuchs geplant - ein weiteres Hagenbeck-Bekenntnis zur Arterhaltung.
Südamerikanische Seebären (Arctocephalus australis)

Südamerikanische Seebären sind in Menschenobhut selten zu finden und hatten bisher in Deutschland nur im Dortmunder Zoo und bei Hagenbeck regelmäßig Nachwuchs. Seebären gehören, wie auch die Seelöwen, zur Familie der Ohrenrobben. Ihren Namen verdanken die Ohrenrobben ihren kleinen, noch sichtbaren äußeren Ohrmuscheln.
Der Südamerikanische Seebär, wegen seines dichten Ober- und Unterfells auch „Dos Pelos” (spanisch: Doppelpelz) genannt, lebt an den Atlantik- und Pazifikküsten Südamerikas, vor Peru, Uruguay und im Süden Kap Horns. Anders als Hundsrobben klettern Seebären auch Felsen hinauf. Das werden die Besucher im neuen Eismeer sehr gut beobachten können.
Im Freiland hat sich der Bestand nach den Verfolgungen im 19. Jahrhundert wieder deutlich erholt, ist aber durch die zunehmende Umweltverschmutzung, die Überfischung der Meere und vor allem durch die Schleppnetzfischerei bedroht. Daher gibt es für diese
Tierart ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP), an dem auch Hagenbeck bis zum Abriss des alten Eismeeres erfolgreich teilnahm. Ab 2011 soll bei Hagenbeck im neuen Eismeer die Zucht fortgesetzt werden.
Humboldt-Pinguine (Spheniscus humboldti)
Die Heimat der Humboldt-Pinguine sind die Westküsten Chiles und Perus. Ihren Namen verdanken die Vögel dem fischreichen Humboldt-Strom.
Während der Bauzeit des neuen Eismeers bilden die Pinguine im Tierpark Hagenbeck eine Wohngemeinschaft mit den Roten Riesenkängurus (Macropus rufus). Auf den ersten Blick erscheint diese Kombination ungewöhnlich, doch in der australischen Heimat der Roten Kängurus bevölkern Zwergpinguine das Meer und die Küstenregionen von Phillip Island. Also ist das Zusammenleben von Pinguinen und Kängurus gar nicht so neu. Der abendliche Marsch der Vögel zu ihren Brut- und Schlafplätzen an Land ist im Nationalpark von Phillip Island eine Attraktion.
Damit sich Hagenbecks Humboldt-Pinguine in ihrem Übergangsquartier wohl fühlen, trafen die Handwerker umfangreiche Vorbereitungen. Auf der bereits bestehenden Insel im Känguru-Gehege errichteten sie einen künstlichen Felsen mit Bruthöhlen. Schon nach kurzer Zeit hatten sich die Pinguine sehr gut eingelebt. 2011 werden sie zu den ersten Bewohnern gehören, die in das neue Eismeer umsiedeln.
Antarktische Pinguine
Hagenbeck möchte im neuen Eismeer mehrere Arten antarktischer Pinguine ansiedeln, deren natürlicher Lebensraum südlich des Polarkreises liegt. Antarktische Pinguine sind an die extremen Lebensbedingungen der größten Wüste der Welt bestens angepasst. Die bekannten Kaiserpinguine zum Beispiel marschieren 250 Kilometer durch die Antarktis, um sich in einem Tal oder an Felswänden in großen Kolonien niederzulassen. Dort legen die Weibchen ihre Eier, übergeben diese den Männchen und wandern wieder zurück zum Wasser, um Nahrung zu finden. Später kehren sie zu den Männchen und ihrem Nachwuchs zurück.
Die Klimaveränderung führt dazu, dass für die Vögel nicht mehr genügend Brutraum vorhanden ist und die Tiere zurückgedrängt werden.
Gestaltung und technische Ausstattung des neuen Eismeers werden auf die Besonderheiten der antarktischen Bewohner abgestimmt sein.
Arktische Seevögel

Das neue Eismeer wird um eine weitere Attraktion ergänzt: In der großen Seevogel-Voliere sollen Papageientaucher, Trottellummen, Küstenseeschwalben und andere arktische Seevögel angesiedelt werden.